Apotheke im Liliencarre

Die historische Entwicklung der Burg-Apotheke in Eppstein

Burgapotheke um 18801848    Der Apotheker Dr. Neubronner aus Kronberg gründete in Eppstein eine Filial-Apotheke. Diese war möglicherweise nur ein Einzimmerraum im Hause Hauptstr. 37. Es wird berichtet, dass Brieftauben dringende Rezepte nach Kronberg flogen und die zubereitete Medizin von einem berittenen Boten oder einer Kurierkutsche gebracht wurde. Ansonsten war diese Filiale ein Laden in dem Lebensmittel verkauft wurden.

1875    Eppstein bekommt einen Bahnhof, wird ein aufstrebender Kur-
ort und eine Art Einkaufzentrum. Es gibt einen Arzt, einen Dentist, einen Bader, einen Fotografen und später ein Postamt.
In der Apotheke war der Zimmernachweis ausgelegt.

1888    Am 10.08.1888 gründet Philipp Sartorius in Eppstein die erste selbstständige Apotheke, das heißt, er hatte das Recht erworben, Heilmittel herzustellen. Wegen Raummangel zog er in das heutige Apothekenhaus Hauptstr. 18. Auf einer alten Postkarte gleicht das Haus einer ungepflegten Wirtschaft, an der Hausecke stand ein Wetterhäuschen mit Thermo- und Barometer, Hinweistafeln aus Emaille warben für Schokoladenfirmen. Zu dieser Zeit stellten Apotheken nicht nur Heilmittel her, sie verkauften auch Feinkost und Kosmetika.

1895    Am 23.01.1895 übernahm Hugo Lombard die Apotheke in Eppstein mit dem Haus. Er wirbt in Anzeigen für Verbandstoffe, Insektenstichgläschen, seinen Taunuslikör, Sanitätsweine, Fleischextrakt, Leguminosen (Hülsenfrüchte), selbstbereiteten Himbeersaft, chinesischen Tee, sämtliche kosmetischen Artikel und Zahnbürsten deutscher, französischer und englischer Fabriken.Hugo Lombard blieb sechs Jahre in Eppstein.

1901    Zum 01.01.1901 übernahm der Apotheker Quittmann das Geschäft. Von ihm Wissen wir nur das Datum seiner Aufgabe: 30.09.1903.

Burgapotheke um 19001903    Erich Reichard aus Neuwied am Rhein übernahm am 01.10.1903 die Apotheke. Er war vertraut mit der Herstellung von Medikamenten, Pillen, Salben, Zäpfchen und Tränken. Da die pharmazeutische Industrie noch nicht entwickelt war, stellte er monatlich etwa 1.000 Kopfwehpulver in Briefchen her.
Fast alle Heilmittel mussten nach Rezepturen in der Apotheke zusammengestellt werden. Die preußische Verordnung ließ Apotheken nur für Gemeinden ab etwa 8000 Bürger zu. So kamen Kunden aus vielen Orten der Nachbarschaft.Erich Reichard erwarb sich das Vertrauen der Kunden und des Arztes Dr. Krekel, später Dr. Hirz und Dr. Sames. Neben Medikamenten und Naturheilmitteln verkaufte auch er diverse Weine, Tees, Körperpflegemittel und vieles andere.

1911    Erich Reichard baut die Apotheke zu einem respektablen Gebäude um.
Sein Architekt C.W. Plöcker war bekannt als Erbauer des alten Rathauses von Eppstein und der Villen außerhalb des bisherigen Ortsbereiches. Der erste Weltkrieg bringt einen wirtschaftlichen Niedergang und auch das Ende des Kurortes Eppstein. Mit der Wahl Adolf Hitlers 1933 kommt eine Erneuerung des Verordnungswesens und der Geschäftsverlauf der Apotheke bessert sich langsam.

Burgapotheke um 19901942    Am 01.01.1942, mitten im zweiten Weltkrieg, löst Joachim Reichard seinen Vater in der Apotheke ab. Nach Kriegsende erholt sich die Wirtschaft vom Nullpunkt und die pharmazeutische Industrie erlebt einen vorher nicht gekannten Aufstieg. Joachim Reichard wird Lieferant vieler umliegender Krankenhäuser und Kurkliniken, von Bad Nauheim über Frankfurt bis nach Eltville im Rheingau.

1970    Die Apotheke wird nach den neusten Gesichtspunkten renoviert. Der Architekt ist Wilhelm Plöcker, Enkel des C.W. Plöcker. Es sind durchschnittlich 10 Personen in der Apotheke beschäftigt.

1988    Joachim Reichard übergibt am 01.07.1988 die Apotheke an seinen Enkel Michael Schier.